Als ADLK in Budapest – Interview mit Marco Gäbel
Als Lehrer für Erdkunde und Englisch hat er nicht nur an deutschen Auslandsschulen in Rom und Kairo unterrichtet, sondern prägt auch seit vielen Jahren den Schulalltag vor Ort maßgeblich mit.
Neben seiner Unterrichtstätigkeit leitet er die Themenarbeitsgruppe Digitales und bringt damit wichtige Impulse für die Weiterentwicklung moderner Lernformate ein. Seit Beginn seiner Tätigkeit übernimmt er zudem jedes Jahr die Rolle des Klassenlehrers und hat in den vergangenen acht Jahren rund 300 Schülerinnen und Schüler erfolgreich bis zum Abitur begleitet. Auch als Vertrauenslehrer stand er jungen Menschen unterstützend zur Seite.
Sein Engagement, seine Erfahrung und nicht zuletzt seine Beliebtheit bei den Schülerinnen und Schülern machen ihn zu einer prägenden Persönlichkeit der Schulgemeinschaft.
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“Wenn ich heute an „Zuhause“ denke, denke ich an Budapest.”
Wie bist du darauf gekommen, nach Budapest zu ziehen?
Budapest war eine der Schulen, die mich kontaktiert haben, nachdem ich mich als Auslandsdienstlehrkraft (ADLK) beworben hatte. Es gab verschiedene Angebote weltweit – einige waren für unsere Familie jedoch zu weit entfernt. Budapest war für uns ideal: Ich habe familiäre Bezüge zu Ungarn und kannte das Land bereits aus früheren Besuchen. Außerdem hat uns die Stadt sehr überzeugt. Ich wurde für zwei Tage eingeladen, habe mir die Schule angeschaut und war schnell begeistert. Die Lern- und Arbeitsbedingungen hier waren im Vergleich zu meiner vorherigen Schule in Heidelberg sehr gut. Auch meine Familie war sofort einverstanden – und so sind wir nach Budapest gekommen.
Wie liefen die Vorbereitungen ab?
Für mich war das relativ unkompliziert, da ich schon mehrfach im Ausland gearbeitet hatte, unter anderem in Rom und Kairo. Deshalb war der Schritt für uns nicht besonders emotional – eher das Leben in Deutschland fühlte sich ungewöhnlich an. Die wichtigste Vorbereitung war die Wohnungssuche, wobei uns die Schulverwaltung sehr unterstützt hat. Außerdem haben wir unser Auto mitgebracht und hier umgemeldet. Insgesamt verlief das Ankommen sehr unkompliziert.
Du bist inzwischen seit fast acht Jahren hier. Fühlst du dich in Budapest zu Hause?
Ja, absolut. Wenn ich heute an „Zuhause“ denke, denke ich an Budapest. Wir wohnen seit unserer Ankunft in derselben Wohnung und fühlen uns in unserem Viertel sehr wohl. Unsere Tochter war damals zweieinhalb Jahre alt und ist heute zehn – für sie ist Budapest ganz selbstverständlich Heimat.
Plant ihr langfristig hier zu bleiben?
Mittelfristig auf jeden Fall. Solange es sich gut anfühlt, sehen wir keinen Grund, zurück nach Deutschland zu gehen.
Wie gefällt dir die Arbeit an der Deutschen Schule Budapest?
Die Ausstattung und die Möglichkeiten sind hier deutlich besser als an vielen staatlichen Schulen in Deutschland. Das Budget ist anders organisiert und die Schule kann schneller auf neue Anforderungen reagieren. Gerade für technisch interessierte Lehrkräfte ist das ein großer Vorteil.
Wie steht die Schule im internationalen Vergleich da?
Meiner Erfahrung nach liegt die Deutsche Schule Budapest im guten Durchschnitt der deutschen Auslandsschulen. Auch andere Schulen, an denen ich gearbeitet habe – etwa in Kairo oder Rom – waren technisch gut ausgestattet. Die DSB steht hier also keineswegs zurück.
Wie viel Freiheit hat man beim Lehrplan?
Grundsätzlich orientieren wir uns am baden-württembergischen Lehrplan, können aber über das schulinterne Curriculum eigene Schwerpunkte setzen. Ergänzungen sind möglich, solange sie abgestimmt sind.
Welche Unterschiede zur deutschen Alltagskultur sind dir aufgefallen?
Viele Dinge funktionieren hier erstaunlich unkompliziert. Behördenprozesse sind oft effizienter, und auch digital ist Ungarn in vielen Bereichen weiter als Deutschland. Außerdem bietet Budapest ein außergewöhnlich vielfältiges kulturelles Angebot – Theater, Oper, internationale Kinos und eine sehr lebendige Gastronomie. Für eine Stadt dieser Größe ist das wirklich beeindruckend.
Wie hast du die Ungarn persönlich erlebt?
Die Menschen sind sehr herzlich, brauchen aber manchmal etwas Zeit, um wirklich warm zu werden. Wenn man jedoch einmal akzeptiert ist, entstehen sehr schöne Beziehungen.
Hast du versucht, Ungarisch zu lernen?
Ich habe anfangs einen Kurs gemacht und verstehe inzwischen recht viel. Zum Sprechen reicht es meist für Alltagssituationen, aber für längere Gespräche nutze ich oft noch Englisch oder zur Not Google Translate. In Budapest kommt man aber auch mit Deutsch oder Englisch gut zurecht.
Was würdest du Lehrkräften raten, die überlegen, nach Budapest zu kommen?
Auf jeden Fall vorher herkommen und sich Schule und Stadt ansehen. Wichtig ist auch, dass die Familie hinter der Entscheidung steht. Wenn Partner oder Partnerin hier ebenfalls eine Perspektive haben, funktioniert das Leben im Ausland deutlich besser.
Wie sind die Freizeitmöglichkeiten für Kinder in Budapest?
Sehr gut. Es gibt viele Sport- und Freizeitangebote, oft ohne lange Wartelisten wie in Deutschland. Unsere Tochter ist beispielsweise in verschiedenen Sportvereinen aktiv und hat dadurch viele Kontakte geknüpft.
Wie ist die Lage der Schule im Hinblick auf den Nahverkehr?
Die Schule liegt auf einem Hügel, was den Weg etwas anspruchsvoller macht. Gleichzeitig ist der öffentliche Nahverkehr in Budapest sehr gut ausgebaut, sodass man dennoch schnell in die Stadt kommt.
Hat sich der Lebensstandard in den letzten Jahren verändert?
Die Lebenshaltungskosten sind gestiegen, besonders bei Lebensmitteln. Dienstleistungen sind jedoch weiterhin relativ günstig. Insgesamt hat sich der Lebensstandard für uns als Auslandsdienstkräfte nicht wesentlich verändert.
Würdest du dich noch einmal für Budapest entscheiden?
Ja, auf jeden Fall.
Die Klassensprecherinnen seiner Klasse sagen folgendes über ihn:
„Herr Gäbel hat uns stets unterstützt und hatte für jede*n von uns ein offenes Ohr. Gerade in stressigen Zeiten hat er uns immer wieder ermutigt, ein letztes Mal unser Bestes zu geben und auf den letzten Metern nicht aufzugeben. Sein Engagement und seine lockere Art haben deutlich gemacht das ihm die Schüler*innen wirklich am Herzen liegen. Wir sind ihm sehr dankbar, ihn als verlässlichen Begleiter durch unsere Oberstufenzeit an unserer Seite gehabt zu haben.“
Száva Szabó-Gansweith, Frida Anna Mohs
(Artikel: dhildebrand)


